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Bolivien

     

    Fortsetzung des Berichtes von Dr. Frick/ Kassel

    zur 1. Seite des Berichtes

                    

    Vicunas, die natürliche Stammform der Lamas in kleinen Gruppen lassen sich kaum stören, wenn unser Jeep in eine riesige Staubwolke gehüllt, vorbeiholpert. Überhaupt – in der klaren Luft des Altiplano sieht man Staubwolken auf gut 30 km Entfernung sehr gut und kann sich darauf einrichten, dass demnächst ein Auto vorbeirauscht.Das kommt in diesen Gegenden mindestens 1mal alle 2 Tage vor! Strassen sind grundsätzlich ungeteerte Pisten, die am besten mit den schweren japanischen Jeeps zu befahren sind.

                


     


    Am dritten Tag müssen wir die Atacama verlassen, Altiplano und Hochanden stehen auf dem Reiseprogramm. Unweit San Pedro ist ein Grenzübergang nach Bolivien, der Paso Sico auf knapp 4550 m am Fuss des gewaltigen Vulkans Licancabur (5900m), über dessen Gipfel die Grenze verläuft. Eisiger Wind reisst uns die Autotür aus der Hand, in einer schäbigen Steinhütte hocken 2 Zöllner, die uns noch vor den Grenzformalitäten Geldumtausch anbieten. Die armen Kerle sind chronisch unterbezahlt, müssen gar noch selbst ihre Uniformen finanzieren. Da verdienen sie sich eben ein paar Bolivianos durch günstigen Wechselkurs dazu. Wir sind grosszügig und lassen ein paar Dollars auf dem Tresen. Aber dann wird’s streng und formal. Schliesslich sind Chile und Bolivien seit den Salpeterkriegen bittere Feinde. Nachdem alle Formulare ausgefüllt, die Pässe haarscharf gemustert und die höchstderselben Einreiseerlaubnis erteilt ist, fängt das lange Warten auf die Bolivianer an, die von der anderen Seite in diese gottverlassene Gegend kommen sollten, um uns abzuholen. Schliesslich wird die erwähnte Staubwolke gesichtet und eine halbe Stunde später können wir unser Gepäck aufs Dach des Jeeps hieven. Das wird staubdicht verschnürt – trotzdem sieht unser Gepäck inzwischen aus als hätten wir 6 Monate in einem jemenitischen Beduinenlager gehaust. Der Führer stellt sich vor: Jürgen Böhme, gebürtig aus Witten/Ruhr, seit 20 Jahren in Lateinamerika zuhause, mit einer Bolivianerin verheiratet, wohnhaft in Sucre, der Verwaltungshauptstadt des Landes (La Paz ist "nur" Regierungssitz). Los geht die Fahrt auf den Altiplano, jenes Hochtal zwischen den Hauptketten der Anden mit Höhenlagen zwischen 2800 und 3800 m. Fernziel ist die alte Silberstadt Potosi. Bis dahin erleben wir aber noch einige Höhepunkte. Zunächst werden die Wasservorräte inspiziert, Lippencreme und Sonnenschutzmilch kreisen wie die Schnapsflasche in der Kneipe.

     

    Die erste Etappe durch grandiose Altiplano-Landschaft führt zu den Geysiren Sol de Manana. Diesmal sind es keine heissen Wässer sondern mineralreiche, schweflige Schlämme, die auf einem flachen Talboden am Fuss des Vulkans Tatio (5300 m) in zahlreichen Kratern brodeln. Die Schlämme sind bis 800 Grad heiss, die Farben reichen vom fahlen Gelb bis zum kräftigen violettrot. Es stinkt erbärmlich. Übernachtet wird in einer kleinen Posada in Vina del Mar, wo uns zum Abendessen eine Kapelle mit Lehrer und Kindern der Dorfschule Quechua-Lieder vorträgt. Die Ansage des Lehrers ist spanisch, die Texte in Quechua, der Sprache der Hochlandbewohner. Als wir am Morgen vor die Tür treten, trauen wir unseren Augen nicht. Auf einem Felsen oberhalb des Dorfes liegt ein zweimotoriges Flugzeug älterer Bauart. Wir sind ratlos. Dann erklärt man uns, dass vor einigen Jahren ein Flugzeug mit italienischen Technikern eine Bruchlandung in der Nähe versuchte, die missglückte. Die Insassen überlebten das Unglück nicht, aber die Dorfbewohner fanden die Maschine so schön, dass sie kurzerhand zerlegt, zum Dorf geschleppt und auf dem Felsen postiert wurde. Die Aktion hat mehrere Wochen gedauert, aber so ist wohl das kurioseste Denkmal Boliviens entstanden.
    Und wieder fesselt uns der Altiplano auf der Weiterfahrt nach Rio Grande. Jürgen und der Fahrer Juan haben uns auf einer sturmgepeitschten Anhöhe im Schutz bizarrer Felsen das Mittagessen bereitet. Vor uns, etwa 5 km nördlich dampft der Vulkan Ollague (5900 m) etwas seitlich vom Hauptgipfel still vor sich hin. Viele Vulkane, meist Stratovulkane zeigen die Idealform vom Typ Vesuv, einige zeigen auch zerstörte Kraterränder mit klaffender Flanke, was auf explosionsartige Ausbrüche hindeutet, bei denen ganze Gipfel fortgesprengt wurden. Schon seit Stunden fahren wir an einem riesigen, kilometerweiten Lavafeld entlang, dessen rötliche Farbe auf rhyolithisches Magma hinzudeuten scheint. Die Verwitterung ist weit fortgeschritten.
    Schliesslich flimmert und glänzt es silbrig-weiss vor uns, wir haben den Südrand des Salar de Uyuni, mit rund 10.000 km² der grösste Salzsee unseres Planeten erreicht. Ursprünglich ein Meeresbecken, dass im Verlauf der Aufpressung über der Subduktionszone entlang der Plattengrenze zwischen Nasca-Platte und Südamerika-Platte mehrere km gehoben und trockengefallen ist. Die Salzfüllung, reines Kochsalz und verschiedene Lithiumsalze im Liegenden ist fast 300 m mächtig. Am südlichen Rand dehnen sich salzige Sümpfe aus, der Untergrund ist noch nicht sicher genug, deshalb hat man eine ca 1 km lange Strasse, natürlich aus Kochsalzblöcken, aufgeschottert. Vor uns donnert ein alter "Linienbus" über die holperige Piste, wir folgen, biegen aber dann auf die endlose, weisse, spiegelglatte Salzfläche ab. Mit annähernd 100 km/h donnert der Jeep nach Norden, wir fühlen uns nach den Tagen im Tempo 30 oder im Schritttempo auf Wüstenpisten hier wie auf der A7. Ringsum die Vulkane verschwinden allmählich hinter dem Horizont, es ist wie auf dem Meer, die Erdkrümmung macht sich in der endlosen Ebene bemerkbar. Knapp südlich der Mitte des Salars ragt die verwitterte Gipfelregion eines älteren Vulkans aus dem Salz und liegt heute wie eine Insel über dem Salzspiegel. Riesige Säulenkakteen wachsen an den Hängen. Buntes Treiben ringsum, um die Mittagszeit bevölkern einige Hundert Menschen das Eiland. Wir machen uns davon, auch Jürgen ist kein Freund von derartigen Horden. Am Nordufer ein Dorf am Vulkan Tunapa (5300 m), aus dessen aufgerissenen Krater sich gelb und rötlich Schwefel und Tuffe zeigen. Wir fahren bergauf durch aufgelassene Terrassenfelder und besichtigen in einer Höhle Mumien aus der Präinka-Zeit, so um die 800 Jahre alt. Erwachsene und einige Kinderleichen sind erkennbar. Anthropologen haben ermittelt, dass die Menschen durch vulkanische Gase, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid umgekommen sind. Noch heute pilgern die Dorfbewohner hierher und bringen Opfergaben zu ihren Vorfahren.


    Nach 1 Stunde erreichen wir das Dorf Colchani am Ostufer, dessen Bewohner mit, von und praktisch auf dem Salz leben. Vor vielen Häusern zeigen riesige Salzhaufen, wovon man hier sein armseliges Dasein fristet. Das Salz wird auf der Decke handbefeuerter Öfen getrocknet, gemahlen und von Frauen in Plastiktüten von 1 kg verpackt und diese verschweisst. Alles geschieht manuell im Halbdunkel eines Schuppens an einem 12Stunden-Arbeitstag. Die Kinder spielen derweil, natürlich mit und auf dem Salz wie anderswo im Sandkasten. 
    Wir übernachten in der Bezirksstadt Uyuni und haben vor der Dunkelheit, die schlagartig nach Sonnenuntergang einsetzt noch Zeit, das berühmte Salzhotel zu besichtigen. Es steht am Rand des Salars und ist vollständig aus Salzblöcken gebaut, auch das Mobiliar, Betten, Tische, Sessel, die Bar und die Lobby sind vollständig aus Salz. Wenn es doch einmal, vielleicht in 20 Jahren regnen sollte, hat die Konstruktion schlechte Karten.
    Aus unerfindlichen Gründen hat unsere Reiseagentur einen 2. Fahrer geschickt, 6 Stunden hat er von Potosi hierher für die 200 km gebraucht. Aus Platzgründen im Jeep lehnen wir das Angebot jedoch ab, nun muss der arme Kerl übernachten und darf am nächsten Tag wieder heimfahren. Wir geniessen die Fahrt über die Cordillera de Chichas, wie immer bei strahlendem Sonnenschein auf kurvenreicher Piste nach Potosi, der alten Silberstadt der Spanier. Es wird zunehmend lebhafter auf der Piste, Lastwagen, Busse, Jeeps und Biker sind unterwegs auf der Staatsstrasse 701. Überhaupt die Radfahrer: selbst in menschenleerer Einöde des Altiplano sind inzwischen Mountainbiker unterwegs, tagelang, auf schwierigem Gelände, oft stundenlang schiebend, mit riesigem Gepäck und Zelt. Viele überschätzen sich und unterschätzen die harte Natur dort oben. Ohne Ortskenntnisse, ohne ausreichenden Wasservorrat, oft ohne Orientierung (Karten geben nur andeutungsweise die Richtungen her, die Pisten haben zahlreiche Abzweigungen ins Nirgendwo, Wegweiser gibt es überhaupt nicht). Viele verdursten, verirren sich, die Nächte können eisig kalt werden – unsere ortskundigen Führer und die Jeeps sind oft die letzte Rettung, spenden Wasser oder zeigen den Weg. Potosi – ein Abenteuer für sich. Wir passieren den obligatorischen Polizeiposten am Stadtrand, entrichten den Wegezoll und staunen. Potosi war im 17. Jahrhundert die reichste Stadt der Welt und massgebliche Stütze des einstigen spanischen Weltreichs. 200.000 Einwohner hatte die Stadt in ihrer Blütezeit, mehr als London oder Paris. 1545 wurde am Cerro Rico (Reicher Berg) ein riesiges Silbererzvorkommen entdeckt, seither geht der Bergbau untertage im und am Berg um. Man spricht von min. 5 Millionen Menschen, die in 200 Jahren im Bergbau umgekommen sind. Indios und Negersklaven starben wie die Fliegen unter den harten Bedingungen, viele auch wegen der ungewohnten Höhe und schlechter Ernährung. Mit 4100 m ist Potosi die höchstgelegene Stadt der Welt. Das sieht man den heute etwa 120.000 Einwohnern nicht an, auch Touristen wird geraten, sich erst an die Höhe zu aklimatisieren. Das haben wir hinter uns und fühlen uns prächtig in der quicklebendigen Stadt. Am Abend tafeln wir in einem kleinen Restaurant und stärken uns mit Llama-Steaks und dem vorzüglichen bolivianischen Roten, um uns für die Fahrt auf den Cerro Rico fit zu machen. Zunächst statten wir dem am Fuss des Berges stattfindenden Indio-Markt einen Besuch ab. Er ist auf die Bedürfnisse der etwa 4000 Bergleute spezialisiert, die sich hier vor der Schicht mit dem Nötigsten versehen. Da gibt es zunächst die unentbehrlichen Coca-Blätter, ohne die ein bolivianischer Arbeiter nicht auskommt. Sie werden durchgekaut und in der Backentasche zu einer Kugel geformt, mit Bikarbonat zur Lösung der Alkaloide versetzt und stecken so stundenlang im Mund. Die Leute haben daher alle die berühmte dicke Backe. Die freigesetzten Alkaloide wirken wie Drogen (Kokain stammt aus einer verwandten Coca-Art) stimulierend, unterdrücken das Hungergefühl und Ermüdungserscheinungen. Nach dem Frühstück mit viel fettem Fleisch nehmen die Bergleute bis zum späten Abend keine Nahrung mehr zu sich. Dafür wird kräftig getrunken, der übliche "Schnaps" ist ein 92%iger Alkohol, der aus der Flasche getrunken wird und der uns beim zaghaften probieren schon die Strümpfe ausgezogen hat. Viele Männer torkeln denn auch vor den Stolleneingängen heftig, treffen aber stets das Mundloch. Die Stollen sind teilweise so eng, dass keine Gefahr besteht, umzufallen. Zurück zum Markt: wir staunen nicht schlecht, unter freiem Himmel Dynamitpatronen hoch aufgestapelt an vielen Ständen zu entdecken. Die werden in die Hosentaschen gesteckt, dazu die erforderlichen, hochbrisanten Zünder, Zündschnur 0,5 m lang (Brenndauer ca 10 Minuten!) und ab geht’s zum Berg. Bolivien ist das einzige Land der Welt, in dem Sprengstoffe frei verkäuflich an Jedermann sind. Ob Mann, Frau oder Kind, Strassenarbeiter, Bettler oder Advokat, jeder kann kaufen, was und wieviel er will.Untertage herrscht Finsternis, keine Beleuchtung mit Ausnahme unserer Grubenlampen. Gelöst wird von Hand mit Schlegel und Eisen oder gesprengt, wobei die Sprenglöcher meist auch von Hand gebohrt werden. Ausbau wird, wenn überhaupt, äusserst sparsam vorgenommen. Entsprechend sehen Firste und Orstbrust aus. Die Unfallträchtigkeit ist enorm, um Belange der Gesundheit kümmert sich hier niemand. Die jüngsten Bergleute, sozusagen Bergknappen sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. Der ganze Bergbau ist genossenschaftlich organisiert, die Altgedienten können einen Claim zur Ausbeutung erwerben, zahlen einen Grubenzins an die Genossenschaft und können reich oder bettelarm werden. Das Vorkommen ist praktisch erschöpft, geringe Restmengen werden vermutet, ganz sicher ist man sich aber nicht. Man lebt ein wenig von der Hoffnung auf den grossen Fund. Damit das gelingt, gibt es in jedem Stollen einen kleinen Altar mit einer Teufelsfigur. Für die Leute hier beginnt untertage ein anderes Reich, in dem der Teufel sich mit Pacha Mama (Mutter Erde) vermählt, woraus reiche Erzgänge resultieren. Vor jeder Schicht werden Coca-Blätter, Süssigkeiten oder Zigaretten geopfert und Kerzen entzündet. Die Zeremonie endet mit einem kräftigen Schluck Hochprozentigen. Man nimmt diese Zeremonie sehr ernst, auch wir mussten sie über uns ergehen lassen, durften aber den Schnaps Mama Pacha opfern (ausspucken). 
    Wesentlich gepflegter geht es bei der mehrstündigen Führung durch die ehemalige Münze zu. Hier wurde metallisches Silber in Barren gegossen, die zu Silbermünzen verarbeitet wurden. Sie galt als die beste Prägeanstalt der Welt, noch im 19. Jahrhundert wurden spanische, französische und englische Münzen geprägt.Die Kathedrale ist wegen Renovierungsarbeiten leider geschlossen, die von den ehemals über 80 (!) vorhandenen Kirchen übrig gebliebenen ersparen wir uns diesmal. Die Zeit ist knapp geworden und wir müssen weiter nach Sucre.


    Sucre ist die verfassungsmässige Hauptstadt des Landes, hat offiziell ca 160.000 Einwohner und liegt in einer flachen Senke der Cordillera Central, die etwa Mittelgebirgscharakter haben. Sie hat das wohl ursprünglichste koloniale Stadtbild bewahrt. Man nennt sie auch die Weisse Stadt, alle Häuser sind weiss verputzt. Grosse Klöster, heute meist Privatuniversitäten (in ganz Südamerika gibt es wenige staatliche Universitäten, die besseren sind privat) oder Internate für die Elitegeneration des Landes. Unser Aufenthalt hier ist kurz, wir können am Nachmittag noch die Saurierspuren beim Zementwerk bewundern, dann folgt der Flug nach Santa Cruz, nachdem wir 3 Stunden auf den Flieger warten mussten. Die Landebahn in Wolken, kaum Bodensicht. Endlich schwebt sie ein, etwas wackelig wie uns scheint. Aber den Start kriegt sie gut hin.

    Santa Cruz wäre in den frühen 70ern beinahe der grösste Pilgerort der Welt geworden. Gottlob hat sich die Menschheit davon erholt. In einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt wurde Che Guevara erschossen. Das Haus, in dem er sich versteckt hielt, wird gern gezeigt – mehr will man nicht mehr davon wissen. Nicht, dass die Bolivianer etwas gegen Revolution haben, aber nicht die vom Ausland importierte und schon gar nicht die nach Fidels Geschmack.Die Stadt ist Wirtschaftsmetropole des Landes und liegt praktisch am Eingang zum Regenwald. Das Land ist ausserdem fruchtbar, riesige Felder wechseln mit Viehweiden. Erstaunlich genug, aber Bolivien exportiert Rindfleisch nach Argentinien. Wir steigen nach dem 2stündigen Flug sofort in den Jeep zu unserer neuen Führerin Cynthia und brausen auf pompösen Autobahnen durch die Millionen-Stadt nach Westen. Unser Ziel ist der Amboro-Nationalpark, an dessen südlichem Ausläufer unser Buschcamp Refugio Vulcanes auf uns wartet. Um es gleich zu sagen, Vulkane gibt es hier weit und breit nicht. Lediglich die phantastischen Erosionsformen der mächtigen mesozoischen Sandsteine von feuerroter Farbe haben die Leute an Vulkane erinnert. Nach 3 Stunden verlassen wir die wichtige Staatsstrasse Nr. 4, die sich in wilden Kurven entlang steilen Abstürzen in einem Flusstal nach Cochabamba windet und fahren auf einer felsigen Piste mit zahlreichen Schlammlöchern bergauf. Es beginnt zu regnen, leicht aber penetrant, wir geraten in Wolken, sehen nur noch holperigen, schmalen Weg vor uns, gottlob den Abgrund rechter Hand nicht. Nach einer Stunde ist für unseren Jeep die Fahrt zu Ende. Ein russischer Lada steht bereit, uns auf einem schmalen, schlammigen, kaum befestigten Weg ins Tal hinunter zu fahren. Noch ist es hell genug so dass wir den Abgrund erkennen können, an dem wir mit einer Reifenbreite Platz vorbeischlittern. Gerlinde, Karlas Freundin ist der Ohnmacht nahe, ihr Mann Burkhardt bittet den Fahrer inständig, anzuhalten, man will den Rest (4 km) zum camp zu Fuss gehen. Wir haben ja selbst mal dieses kuriose Auto besessen. Ich weiss, was der mitmacht. Trotzdem, auch wir haben Herzklopfen und sind froh, nach einer halben Stunde im Tal zu sein. Carlos, ein junger Mann von knapp 30 ist ein Könner mit diesem Auto. Niemand sonst wagt sich auf diese Strecke, zumal wenn sie feucht ist. Das camp, unter deutscher Regie erbaut, besteht aus einem Gästehaus mit 6 Fremdenzimmern, einem Restaurant mit Küche und einem Wohnhaus. Alles ist mit Baumaterial aus der Umgebung errichtet. Um den Bergregenwald zu schonen hat man nur abgestorbene Bäume ausgesucht, gefällt und bearbeitet. Strom liefert eine kleine Turbine, die im Wasserfall montiert ist und von Sonnenkollektoren Unterstützung erhält. Trinkwasser wird weit oberhalb in einer Felsschlucht aus dem Wildwasser gewonnen und in einer Filteranlage gereinigt. Das Essen ist hervorragend und vielseitig, wir sind die einzigen Gäste und können alles in Ruhe geniessen. 
    Carlos führt uns bei Tageslicht stundenlang durch den Bergregenwald und die Savannenzone an den höheren Berghängen. Wir laufen wie berauscht durch den feuchten Wald, an steilen, mehrere hundert Meter hohen Felswänden, übersät mit Bromelien, in höheren Lagen Kakteen entlang, sehen Tukane, zahllose Papageien und andere Vögel in buntesten Farben. Sogar ein Adler lässt sich auf einem hohen Baum nieder. Im Amboro- Nationalpark kann man auf engstem Raum die wichtigsten Ökosysteme des Kontinents besichtigen: am Südrand des Amazonasbeckens gelegen zunächst den tropischen Regenwald mit der typischen Vegetation mit den auffälligen großen Bäumen mit ihren Brettwurzeln, Lianen, Orchideen etc. Darüber die subtropische Laubwaldzone wie auf dem brasilianischen Schild, dann die gemäßigte Waldzone mit dem Übergang in Buschsavanne und schließlich baumlose Felstriften mit unzähligen Bromelien und semiaride Kakteenfluren.


                                                                                                              

      

     

     

    Am frühen Morgen bringt uns Carlos hinauf zur Piste, wo uns der Fahrer mit dem Jeep erwartet. Allmählich kriegen wir mit, dass der Bengel ganz ordentlich Deutsch spricht. Er hat in La Paz die deutsche Schule besucht und war im Schüleraustausch sogar schon in Deutschland, schwärmt von Bremen, Köln, München und Berlin. Man ist vor Überraschungen nicht sicher.
    Unser letzter Besuch gilt der Ruinenstätte von Samaipata, einer Kultstätte amazonischer Indios aus dem 8. Jahrhundert, die später von den Inka übernommen wurde und bis zur spanischen Eroberung "in Betrieb" war. Der Wirrkopf Däneken war auch schon hier und hat den 250 m langen, 70 m breiten Felsen mit seinen geheimnisvollen, teils figürlichen teils abstrakten in den Stein gehauenen Darstellungen und den Wohnnischen der Priester als Start- und Landeplatz Ausserirdischer gedeutet. Die Inka haben später die Anlage wohl eher strategisch ausgebaut, man erkennt die Wohnsiedlung, den Hauptplatz und "Kasernenbauten" für die hier stationierten Krieger. 
    Unsere Südamerika-Tage sind gezählt, nun geht es zurück nach Santa Cruz, wo wir die Maschine zum Flug nach La Paz besteigen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit der Stadt und dem Titicaca-See. Einen schönen sonnigen Tag verbringen wir noch am See und starten am nächsten Morgen nach Santiago. Zu unserer Überraschung gibt es 2 Zwischenlandungen im chilenischen Arica am Pazifik und in Iquique. Die Chilenen nehmen es wieder mal genau, in Arica müssen wir aus der Maschine, Passkontrolle und Gepäckmusterung über uns ergehen lassen und haben eine Stunde Aufenthalt. Der Weiterflug entlang der imposanten Pazifikküste mit Blick auf die Atacama entschädigt für alles. 
    Pünktlich startet der Airbus der Iberia in Santiago Richtung Madrid und nach 13 Stunden Flug meldet der Pilot, dass wir spanisches Festland erreicht haben. Tatsächlich, unter uns sieht es sehr europäisch aus.


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