Jobs im Ausland, informieren und bewerben
Stellenticker, jetzt eintragen, immer aktuell informiert

als Pferdeaupair ins Ausland

Jetzt bewerben für Pferdeaupair im Ausland !




auf auslandserfahrungen.de


Wörterbuch Deutsch-Englisch alles über Pferde


Newsletter abonnieren
Reiseberichte/ Infos
Newsletterarchiv
Erfahrungsberichte privat
»Nützliche Infos
»Kontakt
»Werden Sie Linkpartner
»Bannerwerbung für 1 Euro
»Affiliate
»Ihr Erfahrungsbericht
»Partnerlinks
Krankenversicherung für Auslandsaufenthalte

günstige Auslandskrankenversicherungen für Schüler und Praktikanten

» Kosten kalkulieren

 

Chile

    Dieser Reisebericht nach einem 3-monatigen Auslandsaufenthalt in Chile wird mit freundlicher Genehmigung von Lea Mentz veröffentlicht.

    Möchten auch Sie Ihren Reisebericht veröffentlichen ?

    Mailen Sie uns: info@auslandserfahrungen.de

    oder nehmen Sie hier Kontakt mit uns auf



    Chile

    Chi- chi- chi, le- le- le, viva Chile!




    CHILE- ein 4330km langes Land der Extreme. Auf Europa gelegt reicht es von Nordnorwegen bis in die Sahara. Kein Wunder also, dass Geographie und Klima äußerst abwechslungsreich sind: Im Norden die trockenste Wüste der Welt, im Süden das ewige Eis und dazwischen die Gipfel der Anden, Strände, schneebedeckte Vulkane, Seenlandschaften und der chilenische Regenwald.

    Dieses Land faszinierte und reizte mich schon lange. So stand für mich fest, dass ich nach meinem Abi für einige Zeit dorthin wollte. Über die Europäisch- Lateinamerikanische Gesellschaft fand ich schnell einen Platz in einem Freiwilligenprogramm: In Arica, ganz im Norden von Chile konnte ich für 12 Wochen in einem Hostal mithelfen. Vorher gehörte ein 3-wöchiger Sprachkurs in Santiago zu dem Programm. So konnte ich gleich mehrere Fliegen mit einer klappe schlagen: Südamerika kennen lernen, mein Spanisch aufbessern und in einem touristischen Betrieb arbeiten, was für mein geplantes Touristikstudium auch nützlich werden könnte.

    So ging es also im Oktober 2005 los. Schon nach meiner Ankunft am Flughafen in Santiago bemerkte ich, dass die Chilenen eine Art von Spanisch sprechen, welche kaum noch als Spanisch zu erkennen ist: Viele Buchstaben und Laute werden einfach weggelassen, Wörter bis zur Unkenntlichkeit verformt und das Ganze in einem atemberaubenden Tempo gesprochen. In der Hoffnung, dass mir diese fast neue Sprache wohl in der Sprachschule näher gebracht werden würde machte ich mich auf den Weg ins Zentrum. Dort angekommen war ich fast ein bisschen enttäuscht: Auf den ersten Blick könnte Chiles Hauptstadt mit ihrer Skyline auch eine europäische Großstadt sein. Doch ziemlich schnell entdeckte ich dann doch die südamerikanischen Eigenschaften und das tolle Flair dieser Metropole. An jeder Ecke Straßenverkäufer mit den typischen Empanadas oder Completos (die chilenische Fastfood- Ausgabe) , Schuhputzer, tausende von hupenden Micros ( dieselqualmende Linienbusse ) und leider auch die ewige Smog- Glocke über der Stadt und die etwas außerhalb liegenden Armenviertel.

    Die 3 Wochen während meines Sprachkurses lebte ich in einer WG mitten im Herzen Santiagos, zusammen mit jungen Chilenen und anderen Sprachschülern, so erlebte ich das typische Leben der Einwohner dieser 6 Mio.-Stadt hautnah und lernte schnell die chilenische Mentalität kennen: Eher unaufdringlich, aber trotzdem aufgeschlossen. Weniger temperamentvoll als das Klischee der Bewohner Südamerikas, dafür aber pünktlicher. Nicht umsonst werden die Chilenen auch die Preußen Südamerikas genannt. Hinzu kommt ein enormer Nationalstolz, die Flagge schmückt Fenster, Wände, Autos und T-Shirts. Und zu jedem erdenklichen Anlass wird die Lieblings- Parole freudig geschwungen: „Chi- chi- chi, le- le- le, viva Chile!“ Stolz können die Chilenen vor allem darauf sein, dass ihre Heimat rund 15 Jahre nach Ende der Militärdiktatur unter Pinochet zu einem Schwellenland mit relativem Wohlstand und zu einem sicheren Reiseland geworden sind.

    Einen guten Einblich in das politische Geschehen bekam ich, da es zur Zeit meines Aufenthaltes in Santiago in den Entspurt des Präsidentschafts- Wahlkampfes ging. Dieser war besonders spannend, da die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin im noch wirklich emanzipierten Chile, Michelle Bachelet, bei den Umfragen gut abschnitt. Alle waren gespannt, wie diese Wahl ausgehen würde...

    Schon am ersten Tag in der Sprachschule wurden meine Erwartungen an diese bei weitem übertroffen: junge, motivierte Lehrer, kleine Gruppen, internationales Publikum und ein abwechselungsreiches Freizeitprogramm. So hatte ich schon nach einigen Tagen die sogenannten Chilenismen in meinen Spanisch- Wortschatz aufgenommen. Ich bestellte nicht mehr „zumo de melocoton“ sondern „jugo de durazno“ ,fragte nach jedem Satz „cachai?“ und hängte an alle erdenklichen Worte ein „-po“ dran: „Tengo friopo“, „Claropo“, „Bienpo“.

    Meine Zeit in Santiago verging rasend schnell und schon trat ich die Reise ins 2000km entfernte Arica an. Als ich dort mit dem Flugzeug landete, dachte ich auf einem anderen Planeten zu sein. Arica liegt nämlich trotz der Lage am Pazifik mitten in der Atacama- Wüste. Was für ein Unterschied zu meiner Heimat, dem grünen Schleswig-Holstein!

    Im Hostal angekommen zeigte mir Ross, mein Chef für die nächsten 12 Wochen, das sehr familiär geführte Hostal: Einen Rezeptionsbereich sucht man hier vergeblich, hinter der Eingangstür befindet sich gleich das Wohnzimmer der Familie, wo auch die Anmeldung und das Frühstück stattfinden. Im oberen Bereich des Hauses gibt es 24 Gästebetten, verteilt auf 7 Zimmer und einen Gemeinschaftsraum mit Küche. Ich wurde für die ersten Wochen in einem kleinen 3-Bettzimmer untergebracht, zusammen mit täglich wechselnden Gästen, das Bad auf einer anderen Etage. Später wechselte ich in ein gemischtes 6- Bettzimmer.

    Gleich bei der Einarbeitung verkündete Ross mir, dass mein Job eigentlich 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche in Anspruch nähme....

    Es war also alles ein wenig anders, als ich es mir vorgestellt hatte und hörte sich nach ziemlich viel Arbeit an. Aber eine Sache abzubrechen, von der ich lange geträumt hatte kam für mich nicht in Frage.

    Also hieß es von nun an jeden Tag um 6,30 Uhr aufstehen, oft auch früher, um das Frühstück vorzubereiten und bis 11 Uhr zu servieren. Da das Hostal auch einen Wäsche-Service für die Backpacker anbietet, hatte sich bis 11 Uhr dann meistens schon ein großer Berg Wäsche angehäuft, den es dann galt zu bewältigen. Hinzu kamen Bettwäsche und Handtücher aus den Zimmern und Sonntags die komplette Reinigung der Zimmer. So war ich meißt bis in den Nachmittag gut beschäftigt. Wenn neue Gäste ankamen- und das konnte zu jeder Tages- und Nachtzeit passieren- begrüßte ich sie mit Kuchen und Saft, regelte die Registrierung und klärte sie über alles wichtige zum Hostal und zum Ort auf. Zwischendurch nahm ich Reservierungen am Telefon entgegen und half meinem Chef bei der Buchhaltung oder bei der Organisation von Bustickets oder Ausflügen für die Gäste. Abends fiel ich totmüde ins Bett.

    So war die Arbeit zwar wirklich anstrengend, aber schnell bemerkte ich, wie spannend es war jeden Tag neue interessante Leute aus der ganzen Welt kennen zu lernen: Ob nun den Mountainbiker aus Neuseeland, der Südamerika mit dem Fahrrad bereist, einen über 70 Jährigen Engländer, der die meisten Strecken zu Fuß zurücklegt, Motorradfahrer, die aus ihrer Heimat Kanada mit dem Motorrad gekommen waren und noch bis Feuerland wollten oder die „ganz normalen“ Backpacker aus Israel, Japan, Brasilien, Holland, Schweden, usw. Es gab immer etwas zu erzählen und mir machte es Spaß, den Leuten bei der Organisation ihrer Weiterreise behilflich zu sein. Dies bestätigte mich auf jeden Fall noch einmal in meinem Wunsch später in der Tourismusbranche arbeiten zu wollen.

    Zu Beginn hätte ich es kaum für möglich gehalten, doch relativ schnell hatte ich mich auch daran gewöhnt, mit fünf fremden und täglich wechselnden Leuten ein Zimmer, ein Bad und einen Mini- Schrank zu teilen.

    Ab und zu gab mir Ross auch die Möglichkeit zusammen mit den Gästen einen Ausflug zu machen, so dass ich die Umgebung kennerlernte und anderen Gästen wiederum Tipps zu ihrer Freizeitgestaltung geben konnte. So gelangt man z.B. von dem auf Meereshöhe liegenden Arica in wenigen Stunden hinauf zum höchstgelegenen See der Welt, dem Lago Chungara, auf 4500m Höhe, man kann mit dem Zug zum Einkaufen ins benachbarte Peru fahren oder mit dem Boot zu einer Pinguinkolonie schippern.

    Kurz vor Beendigung meines Freiwilligenprogramms feierten Millionen von Menschen in ganz Chile tagelang auf Straßen und Plätzen: Die Präsidentschaftskandidatin Michele Bachelet hatte es geschafft sich in einer Stichwahl gegen ihren männlichen Herausforderer durchzusetzen. Die Chilenen, und vor allem die Chileninnen, setzen große Hoffnungen in die neue Präsidentin ihres Landes. Vielleicht kann sie es ja schaffen, nicht nur die Wirtschaft des Landes weiterhin zu stärken, sondern auch durch ein verbessertes Sozialsystem die Schere zwischen Arm und Reich zu verkleinern.

    Nach meiner Arbeit im Hostal nutze ich meine verbleibende Zeit bis zum Rückflug, indem ich mit Freunden, die ich in der Sprachschule kennen gelernt hatte die Atacama- Wüste und Bolivien bereiste. So genoss ich es einmal selbst in vollen Zügen als Gast in Hostals zu wohnen.

    Ich habe mich für die ELG (Europäische Lateinamerikanische Gesellschaft) entschieden, da mir diese Organisation zu einem relativ günstigen Preis (im Vergleich zu anderen Organisationen) meine Wünsche erfüllen konnte. So konnte ich auch kurzfristig (1,5 Monate vor Abreise) in meinem Wunschland Chile in einem touristischen Betrieb untergebracht werden und die 3 Wochen Intensivkurs in Santiago waren im Preis inbegriffen. Außerdem gefiel es mir, dass die ELG ein Anteil des Teilnehmerbetrages zur Förderung von sozialen Projekten in Südamerika nutzt.

    Da mein Praktikum unter Freiwilligenarbeit lief (so habe ich für meine Arbeit nur Kost und Logis erhalten) war es nicht nötig, ein Visum zu beantragen.

    In dem ELG-Preis von 1350 Euro war die Anreise nach Chile und auch die Reise von Santiago ins 2000km entfernte Arica nicht inbegriffen. Um die jeweiligen Flugbuchungen habe ich mich selber gekümmert, ELG erledigt dies auf Wunsch jedoch auch.

    Die ELG informiert auf ihrer Internetseite über die Möglichkeit von Stipendien durch verschiedene Förderinstitutionen.

    Zurück in Deutschland kann ich rückblickend sagen: Auch wenn mich diese Art von Praktikum einiges gekostet hat, so habe ich doch unbezahlbare Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und internationale Freundschaften geknüpft, die ich auf keinen Fall missen möchte und die mir niemand mehr nehmen kann. Darum kann ich nur jedem raten, den Schritt ins Ausland zu wagen!


    Lea Mentz

    Bilder aus Chile von Lea Mentz

    Freiwilligenarbeit in Chile, organisiert von www.neomundo.de

    In Chile mit Pferden arbeiten