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Frankreich

Weit Weg


Bericht über einen einjährigen Frankreichaufenthalt auf einem Trakehnergestüt 

von Sarah S., 2007

Sarah Reuter



Wie um Himmels willen kommt ein junger Mensch dazu, freiwillig ein Jahr lang in der französischen Pampa mit vielen Kühen, ein paar Pferden und einem Wecker, der täglich 06.45 klingelt, zu fristen?
Diese Frage habe ich selten so gehört, dafür bilde ich mir ein, sie umso öfter auf der in Falten geworfenen Stirn meiner lieben Freunde und Familienmitglieder gelesen zu haben.
Warum also verbringt man seine Sturm- und Drangzeit weit weg von Zuhause gebliebenen oder anderswo verweilenden Freunden, weit weg von wilden Studentenpartys, weit weg von allem, was einen doch die letzten Jahre so sehr in den Bann gezogen hat? Die Frage ist: Warum nicht? Warum nicht allen Mut zusammen nehmen und den ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit wagen, warum nicht ein anderes Land und seine Kultur entdecken wollen, warum nicht etwas riskieren? Die Antwort liegt auf der Hand: aus Angst. Sie ist es, die uns immer über die Schulter lugt und Vorsichtswarnungen säuselt. Angst und Bequemlichkeit, die gewohnten Standards aufzugeben. Und selbst Clueso rät: „Bleib einfach hier, und lern dich umzusehen... du solltest deine Stadt nicht unterschätzen...wo es am Schönsten ist, weißt du am Besten...“ Recht hat er, aber um die eigene Heimat(-stadt) schätzen zu lernen, bedarf es Abstand. Ganz viel Abstand.

Französisches Landhaus


Und wie so oft heißt es auch hier, Angriff ist die beste Verteidigung.
Ich habe also irgendwann angefangen, anzugreifen. Besser gesagt, Informationen zu suchen, mir zu überlegen, was mir wichtig ist und auf was ich verzichten kann. Dabei war ich eigentlich für alles offen und doch im Endeffekt sehr eingeschränkt. Vorbelastet durch eine Französisch lehrende Mama stand für mich fest: Nach Frankreich sollte es gehen. Aber das wortwörtlich größte Problem sah anders aus. Es hat vier Beine, frisst, wenn nicht mir die Haare vom Kopf, am liebsten Hafer und hört auf den Namen Mozart. Ein Pferd sollte mit. Und zwar nicht irgendein Pferd, sondern MEIN Pferd. Es stand quasi gar nicht zur Diskussion, ihn zu Hause zu lassen. Jobben in Paris, querfeldein durch Australien oder als Au- pair nach Rom boten sich also nicht unbedingt für mein Auslandsjahr an.
Da ich auch sonst nicht die Entscheidungsfreudigste- und schnellste bin, zog sich der Abschnitt der Informationssuche sonderbar in die Länge und das Abitur kam näher, und zwar erschreckend schnell. Und auch wenn ich mich eigentlich schon hoch zu Pferd im Land der Baguettes sah, so knabberte ich in der Realität doch immer noch Körnerbrot und eine Änderung war nicht wirklich abzusehen. Bis eines Tages meine Freundin zufällig in einer Pferdefachzeitschrift blätterte und auf eine Anzeige stieß, die förmlich nach mir zu schreien schien: Familiengeführtes Trakehnergestüt in Burgund sucht Jahrespraktikantin zur Mithilfe rund um Haus& Hof und Betreuung unserer Pferde gegen Kost, Logis und Taschengeld.

Sarah Reuter auf Pferd


Yes, äh, Oui, Frankreich, ich komme!

Der Rest ging dann recht schnell. Vorstellungstermin im April, das hieß zwei Tage „wie in echt“ arbeiten, kurze Zweifel in der Wartezeit „sie nehmen mich, sie nehmen mich nicht...“, dann im Mai die Zusage. Und es hieß Sachen packen...
Es war Ende Juli und brütend heiß, als ich mit Pferd, Koffern und Kisten in Frankreich ankam. Bei 40Grad im Schatten sollte ich nun jeden Tag ein paar Pferde reiten, den Stall und alles, was dazu gehört, in Ordnung halten und ab und zu mit den ein oder anderen Urlaubern die Ausreitwege rundherum erkunden. Das alles gegen drei Mahlzeiten am Tag, eine kleine, sagen wir, spartanische Wohnung und einen freien Tag pro Woche.
So weit, so gut. Reiten macht Spaß, Stall machen gehört irgendwie auch dazu und der Rest wird schon werden. Meine größte Sorge begründete sich auf etwas ganz anderem. Zufälligerweise hatte ich in der Anzeige die Mithilfe im Haus überlesen... Ich musste kochen!!! Nach anfänglicher Berührungsangst, der Sorge, meine zwei neuen Chefs aus Versehen zu vergiften und etlichen Übersetzungsproblemen mit meinen neuen Freunden, den französischen Kochbüchern, schien jedoch auch diese Hürde schnell gemeistert. Ja, immer öfter ertappte ich mich sogar dabei, mit Vorfreude die Rezepte zu studieren und schwang bald gut gelaunt den Kochlöffel.

Pferd Mozart


Die Zeit verstrich, und nach einem schönen Herbst kam der Winter und mit ihm die Zeit zum Nachdenken, die Zeit einer kleinen Mir-reichts-eigentlich-Krise... Natürlich hatte ich manchmal das Gefühl, etwas zu verpassen, abgeschnitten vom Rest der Welt, wie mir zuweilen schien. Das, was aufbaut, sind die kleinen Dinge. Ein französisches Buch zu Ende gelesen und verstanden, die Konversationen dauern länger als zwei Minuten und mein Gegenüber scheint mich tatsächlich zu verstehen. Ich merkte, auch wenn ich fast mehr Schweizerdeutsch hörte als Französisch (mein „Chef-Ehepaar“ war aus der Schweiz), die Sprache profitiert allein durch das Leben in diesem Land. Aber es ist nicht nur das ungezwungene Erlernen bzw. Vertiefen einer Fremdsprache, sondern die unzähligen Erfahrungen, die man in einem solchen Jahr macht. Ganz alleine und plötzlich ein krankes Pferd, eingefrorene Wasserleitungen im Winter, schnelles Organisieren von „Notfallhilfe“ um den weiteren reibungslosen Ablauf eines solchen Betriebes zu gewährleisten. Es muss schnell entschieden und darf nicht gezögert werden, nach Hilfe zu fragen, auch wenn man die Sprache eben nicht perfekt spricht.
Und irgendwann trifft man jemanden auf der Straße, den man kennt, irgendwann bekommt man ein „gut gemacht“ zugeraunt... irgendwann fühlt man sich akzeptiert und nicht mehr fremd.

Klar ist, Geld verdient man so nicht. Aber sind solche Erfahrungen nicht unbezahlbar? Wie oft im Leben hat man die Möglichkeit, einfach im Hier und Jetzt zu leben? Auch wenn dieses Hier und Jetzt oftmals unangenehm, anstrengend ist und man sich nach drei Stunden Stallausmisten fragt, „Warum ich?“, so wird es doch doppelt und dreifach bezahlt in Form von unzähligen Glücksgefühlen... Friedlich grasende Pferde vor meinem Fenster auf den umliegenden Koppeln, eine frische Brise französische Landluft im flotten Galopp in der Abenddämmerung... Und flott fliegt auch die Zeit an mir vorbei, Wochen, Monate und langsam wird mir bewusst, bald geht es wieder zurück. Nach Hause. Da ist einerseits die Freude, andererseits die Angst vor dem Au Revoir sagen zu dem, was in der Zwischenzeit das zweite Zuhause geworden ist. Denn auch hier gibt es jetzt Menschen, die man mag, hier hat man immerhin ein wichtiges Jahr seines Lebens verbracht, hier ist man letztendlich selbstständiger, offener, vielleicht sogar glücklicher geworden. Was ich mitnehme? Viele Erinnerungen, Erfahrungen, die unersetzlich sind, mehr Selbstvertrauen.

Fohlen


Hat es sich gelohnt? Ich zitiere einmal mehr Clueso „Manchmal bin ich weit weg und dadurch besser dran, denn ich mach mich frei, damit ich all die anderen fesseln kann“ . Ja, mehr als das, denn „ich hab schon viel gesehen und war oft mehr als dabei, ich nehm das alles gerne mit, aus Liebe zum Detail“

Noch bleiben mir zwei Monate hier, um dann wieder andere Details zu entdecken, um etwas hinter mir zu lassen und etwas Neues zu beginnen, gestärkt und mit unzähligen Eindrücken von einem Jahr in Frankreichs Einöde, die mir mehr „Leben“ gezeigt hat, als alles andere zuvor.

Und ja, ich würde es wieder tun, ich würde noch einmal meine Sachen packen um sagen zu können „.Ich brauch kein Funk und kein Telefon, ich bin weit weg out of Space“...

Sarah S., Oktober 2007