In China brennt die Erde



      Bild: Dr. Frick/ Kassel


      Gerne zeigen wir Vorzeigedeutschen mit den Finger auf die Umweltsünden anderer Länder. Doch was in China weitgehend von der allgemeinen Öffentlichkeit unbeobachtet geschieht, grenzt an das eigene Vorstellungsvermögen. Dort brennen riesige unterirdische Kohlelager und setzen gewaltige Mengen an Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und die Treibhausgase Kohlendioxid und Methan frei. Die chinesische Regierung schätzt, daß seit 1950 etwa 4 Milliarden Tonnen Steinkohle verbrannt sind, die ausgestoßenen Treibhausgase entsprechen der vierfachen Abgasmenge der gesamten deutschen Autoflotte. Steinkohle hat die Eigenschaft, sich bereits bei einer Temperatur von 80 Grad Celsius selbst zu entzünden. Der Sauerstoff der Luft verbindet sich mit dem Kohlenstoff in den Flözen, bei fehlender Entlüftung wird es immer wärmer, bis sich schließlich die Kohle entzündet und es zu einem sehr schwierig zu löschenden unterirdischen Schwelbrand kommt. Im nördlichen China brennen unterirdische Flöze auf eine Länge von 5000 km und einer Breite von ca. 400 km. Mit auch deutschen Know-how wird versucht, einen Teil dieser Brände zu löschen. Dieses Vorhaben ist sehr teuer und benötigt viel Expertenwissen.


      Bild: Dr. Frick/ Kassel


      Abgesehen von den grossflächigen Umweltbelastungen - unter diesen Bedingungen arbeiten zu müssen, ist schier unmenschlich. Nach einer Stunde bleibt einem buchstäblich die Luft weg, die chinesischen Bergleute müssen einen 12 Stunden-Tag aushalten. Auch die Bevölkerung der nahe Grossstadt versorgt sich mit Wintervorräten an Brennstoff in dem Tagebau. Der städtischen Bevölkerung fehlt der auf dem Land übliche Brennstoff Maisstroh.


      Bild: Dr. Frick/ Kassel


      Tatsächlich ist die Brandbekämpfung im nordchinesischen Kohlegürtel ein gravierendes Problem. Neben der Umweltproblematik ist der Abbau der methanreichen Kohle auch ohne Brand natürlich ein Sicherheitsproblem - vor allem im untertägigen Bergbau. Hier ist westeuropäische, vor allem deutsche Bergbautechnologie gefragt! Das wäre im übrigen auch ein nachdenkenswerter Aspekt bei einem geplanten völligen Ausstieg aus der Steinkohleförderung hierzulande. Wenn sie hier nicht mehr benötigt wird, besteht die Gefahr, dass Know how und technologisches Wissen verloren gehen, die anderswo auf der Welt im Interesse der Menschen und der Umwelt dringend benötigt werden. Im rohstoff- und energiehungrigen China ganz besonders!