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Kaukasus

         Eindrücke einer Reise durch den Kaukasus in Bildern

        Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung durch Dr. Frick.

         

        Text/ Bilder: Dr. Frick/ Kassel

          Kaukasus




          GEORGIEN und ASERBAIDSCHAN

          08. bis 18. April 2009

          Am Anfang

          Die Anreise führte über Istanbul nach Tiflis, entlang der südlichen Schwarzmeerküste und die schneebedeckten anatolischen Hochgebirge. Wir kannten den Anflug zum internationalen Flughafen der georgischen Hauptstadt von früheren Reisen und wunderten uns, dass er sich so verändert hatte. Eine Piste aus Betonplatten, schmal, kurz und ziemlich holperig. Entsprechend hart fiel die Landung aus, heftig das Abbremsen.


          Flughafen bei Tiflis


          Kaum waren die Triebwerke abgestellt, waren mehrere Militärfahrzeuge, Polizei und schwarze Limousinen mit verdunkelten Scheiben rund um die Maschine in Stellung gegangen. Bewaffnete Soldaten ringsum, 2 Panzer etwa 500 m entfernt konnten wir erkennen, die Kanonen zweifelsfrei auf das Flugzeug gerichtet. Keine Ansage aus dem Cockpit, das Kabinenpersonal verängstigt, niemand wusste so recht, was das zu bedeuten hatte.

          Wir waren auf einem aufgelassenen ehemaligen sowjetischen Militärflughafen gelandet, der verrottete Tower und gesprengte Bunker für die Kampfjets neben der Piste machten das schnell deutlich. Aber was hatte der militärische Aufwand zu bedeuten? Die Türen unseres Fliegers blieben geschlossen, mit den Piloten wurde durch das Cockpitfenster verhandelt. Nach 2 Stunden bangen Wartens wurde uns mitgeteilt, dass Busse unterwegs seien, uns und unser Gepäck in die Stadt zu bringen.

          Inzwischen waren Fernsehteams und Reporter angerückt, eine Treppe wurde vom Internationalen Flughafen herbeigeschafft und endlich eine Tür geöffnet. Polizisten schirmten uns beim Verlassen der Maschine von Kameras und Mikrofonen ab. Niemand konnte uns sagen, was der Grund für diese eigenartige Begrüssung war und kurz vor Mitternacht waren wir endlich am Ziel und bezogen das Hotel.

          Im georgischen Fernsehen wurde darüber berichtet und die Vermutung geäussert, der Pilot habe sich verflogen und versehentlich die etwa 20 km vom internationalen Flughafen entfernte Militärpiste angeflogen. Das dürfte wohl eine ziemlich dümmliche Ausrede gewesen sein. Sowohl die türkischen Piloten als auch die georgischen Fluglotsen hatten sicherlich schon lange vor der Landung Kontakt und vermutlich von höchster Stelle die Anweisung zur Landung in der Prärie bekommen. Den Grund dafür haben wir und wahrscheinlich auch die Georgier selbst nie erfahren.


          Höhlenkloster David Geredzha


          Nach kurzer Nacht starteten wir zur Fahrt in südöstlicher Richtung, verliessen in Sartichala die Hauptstrasse und bewegten uns auf schlechter Strasse und Schotterpiste nach Süden. Das Höhlenkloster David Geredzha, dicht an der Grenze zu Aserbaidschan bei Udabno war unser Ziel. Diese einzigartige Anlage, heute noch von Mönchen bewohnt, ist für seine Höhlenfresken berühmt. Die erreichten wir auf abenteuerlichen Trampelpfaden entlang der Steilhänge hoch über dem Talgrund und bei stürmischen Winden. Unser Tagesziel war das Städtchen Sighnaghi, ehemaliger Königssitz der kachetischen Könige mit einer beeindruckenden Stadtbefestigung, deren 13 Wehrtürme noch erhalten sind.

          Wir kannten von früheren Reisen die langen Wartezeiten am Grenzübergang nach Aserbaidschan und die peniblen Passkontrollen und waren deshalb schon früh auf der Fahrt nach Rustavi unweit Tiflis an der Kura. Auf georgischer Seite am Grenzposten an der berühmten Roten Brücke ging es recht flott. Die Aserbaidschaner bauen zur Zeit eine neue Grenzstation, die Formalitäten werden daher in einem Provisorium aus jämmerlichen Baracken und Hütten abgewickelt. Wir hatten uns über den Zeitaufwand nicht getäuscht und als die letzten Unklarheiten wegen doppelter Vornamen einiger Reisender, die den Aserbaidschanern immer Schwierigkeiten bereiten, beseitigt waren, verabschiedeten wir den georgischen Bus und bestiegen den aserbaidschanischen, der uns in den kommenden 8 Tagen zum 2. Wohnsitz werden sollte.


          Kaukasus


          Aserbaidschans erstes Etappenziel war Gäncä, das ehemalige Elisabethpol, spätere Kirovabad. Provinzhauptstadt und 2. grösste Stadt Aserbaidschans. Bis auf eine alte Moschee und ein Museum, viel Verkehr, immer luxuriösere Geschäfte im Zentrum und abfallüberhäufte Strassenränder nichts sehenswertes. Unser Hotel, bekannt von füheren Reisen, immer noch von einem schläfrigen, fetten Besitzer gemanagt, der in seiner Lobby ununterbrochen dem dümmlichen Fernsehprogramm folgt. Immerhin, in Aserbaidschan immer seltener zu finden, eine wohlgefüllte Hotelbar. Das übliche Frühstück mit Tee, Fladenbrot, Schafskäse und vortrefflichem Honig, den man am besten auf ganz jungen Frischkäse aufträgt war schnell vereinnahmt und unser Besuch in GöyGöl, wie Helenendorf oder Chanlar heute heisst, stand an.


          Frühstück im Kaukasus


          Wir schwäbischen Nachkommen hatten in der renovierten Kirche einen Festakt zur 190jährigen Stadtgründung (Ostern 1819) organisiert, dazu Lieder eingeübt und Ansprachen vor heimischem Publikum samt Abgeordnetem aus Baku, Gouverneur und städtischen Honoratioren vorbereitet. Natürlich war das aserbaidschansche Fernsehen mit mehreren Kameras zur Stelle. Hier wurden im Oktober 1941 die letzten Deutschen von den Bolschewiken eingesammelt und nach Kasachstan verschleppt. Sogar die Aserbaidschaner waren berührt, als nach fast 70 Jahren in der evangelischen Kirche erstmals wieder ein christliches Gebet gesprochen wurde.

          Nach dem Besuch des ehemaligen Friedhofs mit seinen wenigen erhaltenen Gräbern und Grabsteinen, die wir mit Blumen schmückten teilte sich am nächsten Tag die Reisegruppe. Ein Teil blieb in GöyGöl, ein Teil brach zur Fahrt nach Kedabeg im kleinen Kaukasus auf. Kedabeg ist eine alte Bergbaustadt, in deren Nähe die Fa. Siemens Kupfererze abbaute und verhüttete. Viele Häuser aus deutscher Zeit der leitenden Angestellten und Bergwerksdirektoren sind erhalten, eine kleine Kirsche steht noch, die Hüttengebäude sind bis auf wenige Mauerreste zerstört und als Baumaterial von den Einheimischen wiederverwendet worden.

          Die Stadt hat sich seit meinem ersten Besuch 2005 kaum verändert, nur den Verkehr ist lebhafter geworden. Die Gebrigsstrasse nach Kedabeg ist eindrucksvoll und gefährlich. Schon bei der Abreise aus GöyGöl fing es an zu schneien, im Gebirge lagen ca. 10 cm Neuschnee. Unser Abgeordneter hatte es sich nicht nehmen lassen, uns zu begleiten, wozu neben seiner Limousine mit Fahrer und bodygard eine Polizeieskorte gehörte, die mit Blaulicht vorweg fuhr und die vielen Neugierigen um uns herum auf Abstand hielt, wenn unser Bus geparkt wurde. Wenn es sein musste, wurde die Strasse kurzerhand für Autos, Eselkarren und Fussgänger gesperrt.


          Kaukasus


          Etwa 20 km von Kedabeg entfernt wollten wir die alte Eisenbahnbrücke der Siemenswerke besichtigen. Im Schneetreiben ging es aufwärts und schliesslich sollte auf der ehemaligen Gleistrasse der Rest des Weges bewältigt werden. Unser Bus kam nicht weit und versank in einem riesigen, tiefen Schlammloch. Alle Bemühungen und die Fahrkünste des Busfahrers halfen nichts. Kurzerhand beorderte das begleitende Polizeikommando einen uralten LKW aus der nächsten Siedlung zum Tatort, der uns nach reichlich 1 Stunde Aufenthalt befreite.

          Am Abend war das übliche Festessen im ehemaligen Weingut Vohrer in Karajer bei Gäncä angesagt. Vohrers hatten um 1915 riesige, unbewirtschaftete Ländereien in der Steppe erworben und die grösste Weinkellerei Russlands errichtet. Daneben wurde Milchkühe für die Versorgung der eigenen Molkerei gehalten und Pferdezucht betrieben. Man hatte die zähen, ausdauernden einheimischen Karabagh-Pferde mit der grossen, starken Friesenrasse gekreuzt und belieferte u.a. die russische Kavallerie.

          Nicht weit vom Anwesen entfernt, wurden wir von einer Aserbaidschanerin ganz spontan in ihr Häuschen gebeten, mit frischem Tee und Gebäck bewirtet und erfuhren per Zeichensprache, dass sie allein lebt und aus Gäncä stammte. In ihrem bescheidenen Haus, dem man die schwäbische Bauart mit grossen Räumen, stattlichen Wänden und hohen Fenstern noch ansieht, scheint sie allein zu leben. Wir haben versucht, ihr zu erklären, wer wir sind und warum wir in der Strasse herumlaufen und ständig fotografieren. Sie hat es wohl verstanden und uns noch Gebäck und ein grosses Glas Kirschkompott mit auf den Weg gegeben. Ihre Gastfreundschaft haben wir mit ein paar Scheinchen, unter die Teller geschoben, belohnt. Jedenfalls haben wir nun eine weitere Freundin, die wir sicherlich noch einmal besuchen werden.


          Steppenlandschaft im Kaukasus


          Am nächsten Tag führte uns die Weiterreise in aserbaidschanisches Neuland. Durch die endlose Steppenlandschaft der Kuraniederung, entlang am Nordrand des kleinen Kaukasus ging es mehrere Stunden nach Osten. Das Kaspische Meer im südlichen Aserbaidschan war unser Ziel. Wir merkten es kaum, aber wir befanden uns nach etwa 200 km fast 30 m unter dem Spiegel des Meeres. In dieser grossen Senke ist die Landschaft unseren norddeutschen Marschen sehr ähnlich. Der Boden ist enorm fruchtbar und wird landwirtschaftlich intensiv genutzt. In Grossbetrieben sieht man Beregnungsanlagen modernster Bauart. Das man sich unterhalb des Meeresspiegels bewegt, erkennt man am Fehlen von Vorflutern zur Entwässerung. Niederschläge stauen sich in der abflusslosen Senke an vielen Stellen, überfluten manchmal weite Landstriche. Weiter im Süden erreichen die Gebirgszüge des kleinen Kaukasus schliesslich die Küstenregion, die Kammlagen sind schon Grenzgebiet zum Iran.


          Naturreservat am Kaspischen Meer


          Am Kaspischen Meer besuchten wir ein Naturreservat in der ausgedehnten Lagunenlandschaft mit ihren riesigen Schilf- und Flachwassergebieten. Das Gebiet darf nicht betreten werden, lediglich Randzonen sind zugänglich. Die nächsten Tage verbrachten wir in den Bergen des Kleinen Kaukasus, machten botanische Exkursionen und besuchten einheimische Basare. Dann brachen wir zur letzten Etappe auf und waren in aller Frühe ohne Frühstück aus unserem Quartier in den Bergen aufgebrochen. Die Fahrt ging nach der Bergtour wieder ins Küstengebiet des Kaspischen Meeres nach Norden. Nach 2 Stunden wurde der Hunger übermächtig und wir machten in einem bescheidenen Restaurant Rast.

          Immerhin, wir waren 21 Personen, unangemeldet und für den Besitzer eine echte Herausforderung. Aber die Aserbaidschaner sind unheimlich flexibel und können, wenn es um Gastfreundschaft geht, blitzschnell improvisieren. rasch wurden die Tische zusammengeschoben (in Aserbaidschan spielt sich alles an grossen Tafeln ab, Einzeltische werden sofort umgebaut, wenn mehr als 2 Gäste zu bewirten sind) und wie aus dem Nichts waren plötzlich 5 Männer zur Stelle, die auftrugen. Nach 10 Minuten war die Tafel brechend voll mit Köstlichkeiten, Fladenbrot, Eiern, Käse, Butter, Marmelade, Nüsse, Obst und heissem Tee aus dem Samowar. Ich habe selten mit solchem Genuss gefrühstückt.

          Nach weiteren 4 Stunden erreichten wir die südwestlichen Vororte von Baku. Ölpumpen, rostige Förder- und Bohrtürme in der Steppe und nahe der Küste verraten, womit man hier (viel) Geld verdient. Auch die riesigen Anlagen für offshore-Betriebe werden hier gefertigt. Entsprechend gross sind die Fabrikareale und alle Weltfirmen, die sich mit Ausrüstung und Betrieb für das Ölgeschäft beschäftigen, sind vertreten. Die Landschaft wurde hügelig (mio-piozäne Karbonate, Sandsteine und Tone), die Ausläufer des Kaukasus (noch O.Kreide) im Hintergrund. Die Stadt ist quirlig, unglaublich moderne Architektur im Wechsel mit gründerzeitlichen Villen und Palästen. Geld scheint keine Rolle zu spielen, es ist reichlich vorhanden. Schöner war es allerdings in der Altstadt mit ihrer enormen Befestigung, Türmen und Moscheen. Das Hotel war uns als renoviert angekündigt. Aber mehr als die Fassade aus blitzendem Marmor und riesigen Glasflächen hatte man nicht hinbekommen. Die Zimmer in einem erbärmlichen Zustand und sehr dreckig. Im Bad lief Wasser an allen möglichen Stellen, nur nicht aus der Dusche oder aus dem Wasserhahn.

          Wir waren froh, nach kurzer Nacht die Herberge verlassen und die Heimreise antreten zu können. In Istanbul verabschiedeten wir uns von den Verwandten, die nach Stuttgart flogen, während ich nach Frankfurt aufbrach. Die Südafrikaner wollten noch einen Tag länger in Istanbul bleiben.

          Kfg., Mai 2009

               

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